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Wir sind keine Ausserirdischen
Maler und Gipser sind die Handwerker, die den Bau als letzte verlassen. Wenn ihre sauber verputzten und makellos gestrichenen Wände fertig sind, beginnt das Wohnen. Erstaunlicherweise haben gerade sie Nachwuchsprobleme.
Maler und Gipser sind zwei unterschiedliche Berufe. Und doch werden sie meist in einem Atemzug genannt, denn das «Finish» von Wänden und Decken erstellen sie gemeinsam. Zuerst ebnet der Gipser die rauen Oberflächen vom Rohbau aus und verleiht ihnen mit einem Verputz die gewünschte Struktur. Ausserdem bringt er Schallisolationen und Wärmedämmungen an, setzt Trennwände ein, hängt Decken tiefer und schmückt Decken und Wände mit Stuckaturen.
Die oberste Schicht trägt der Maler auf. «Wir sind stolz auf unser Handwerk», sagen die beiden angehenden Maler vom Amrein Malerei AG in Männedorf, Adrian Huber und Felix Rüeger. Beide haben ihren Beruf bewusst gewählt. Adrian Huber, im zweiten von drei Lehrjahren, schnupperte in verschiedenen Bereichen auf dem Bau. Maler zu sein gefiel ihm am besten. Die Arbeit ist abwechslungsreich, aber auch anspruchsvoller als erwartet. Er braucht ein gutes Farbgefühl und muss sich mit verschiedenen Farbqualitäten und Maltechniken auseinandersetzen. Heute wird fast ausschliesslich mit Farben gearbeitet, die weder Lösungsmittel noch Schadstoffe enthalten. Diese schonen sowohl die Gesundheit der Maler als auch jene der späteren Bewohner der Räume. Die neuen Farben erfordern aber auch effizientes Arbeiten und exaktes Berechnen der Farbmengen, denn Reste verderben rasch.
Gesucht: Nachwuchs
Für Felix Rüeger, der im dritten Lehrjahr steht, ist Maler der zweite Beruf, den er lernt. Nach dem ersten, einer Bürolehre, arbeitete er in einem Alters- und Pflegeheim sowie als Barmixer und Schreinergehilfe. Dann zog es ihn definitiv zum Handwerk. Dass er als Maler Farbkleckser auf seiner Arbeitskleidung hat, stört ihn nicht. «Wir sind doch keine Ausserirdischen, nur weil wir ein Übergwändli tragen», meint er.
Aber genau dies scheint viele junge Leute abzuschrecken. Zu Unrecht, finden sowohl Rolf Gähler, Geschäftsführer der Malerei Amrein, als auch Ottavio Miglio, Geschäftsführer Gipserarbeiten bei der Rolf Schlagenhauf AG. Maler und Gipser sind abwechslungsreiche und anspruchsvolle Berufe. Breit gefächert sind zudem die Möglichkeiten nach der Ausbildung. Maler können sich zum Servicemaler, Tapezierer, Spritzlackierer oder Baustellenleiter spezialisieren, Gipser zum Beispiel zum Stuckateur mit der Aussicht, in der Denkmalpflege zu arbeiten. Offen steht beiden der Weg zum Vorarbeiter und Meister sowie zu den höheren Fachschulen und Universitäten. Da die berufsbezogenen Weiterbildungsmöglichkeiten modular aufgebaut sind, können sie berufsbegleitend besucht werden.
Ottavio Miglio ist überzeugt, dass Maler und Gipser eine goldene Zukunft haben. Die Ansprüche der Kunden werden immer höher, sowohl in Bezug auf Qualität als auch auf gestalterische Elemente. Wer, wenn nicht gut ausgebildete Fachleute, kann sie erfüllen!
Mehr zu den Berufen Maler und Gipser unter www.smgv.ch.
Redaktion Heidi Mühlemann, RENT A BRAIN
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